Techno - Entstehung und Geschichte - Zukunft (2023)

Welche Clubs prägten den Berliner Techno?

Wer die Techno Szene in Berlin von Anfang an miterlebt hat, stellt fest, dass sich vieles verändert hat, und doch so Einiges gleichgeblieben ist.

Die Tempel der Berliner Technogemeinschaft

Berlin und Technomusik beginnt erstmal im Westen der Stadt mit dem UFO – die erste Acid House Bewegung vor der Wiedervereinigung Deutschlands und Berlins. Das UFO ist sozusagen der Wegbegleiter und die Pionier-Einrichtung für den Berliner Techno. Zu den Residents und Techno-Vertretern dieser Zeit gehörten Tanith oder der Loveparade Papa Dr. Motte.

1988 gründeten Achim Kohlberger, Dimitri Hegemann und Carola Stoiber das UFO in der Köpenicker Straße in Berlin Kreuzberg. Der Club bestand lediglich aus einem angemieteten Büro des Techno-Labels Interfisch in einem über eine verschlossene Luke erreichbaren Keller. Die Deckenhöhe umfasste gerade mal 1,90 m und bot für knapp 100 Leute Platz. 1989 fand hier sogar die erste Aftershowparty der Loveparade statt.

Nachdem die Berliner Behörden das illegale Kellerloch hochnahmen und es geschlossen werden musste, eröffnete das UFO 2 dann in einer ehemaligen Penny Markt Filiale in Schöneberg. Nur kurze Zeit später feierte der Club am 31.12.1990 seine letzte Party. Die Besitzer eröffneten daraufhin im folgendem Jahr den Tresor – den bekanntesten Techno Club der Welt.

Während man sich damit zufriedengegeben hatte, in illegalen Kellern mit brutalem Sound und viel Nebel zu feiern, boten Clubs wie der Tresor und der PlanetClubauf einmal ganz andere Möglichkeiten. Die beiden Techno-Clubs bildeten die Fixsterne der Berliner Technoszene.

Während im Tresor eher die harten Techno Sounds bebten, spielten die DJs im Planet eher House. Um diebeiden Szene Locations herum entstanden weitere Clubs, wie z. B. das WMF,der Club Elektro, das bekannte Kit Kat und der Berliner Bunker, die ihre eigene Version von Techno spielten.

Viele dieser frühen Berliner Techno-Clubs waren teilweise illegal. Nach der Wiedervereinigung gab es viele Möglichkeiten. Im Ost-Teil von Berlin, dem alten DDR-Teil der Hauptstadt gab es nach der Wiedervereinigung viel Leerstand. Viele Häuser, Fabriken und Locations wurden nicht benutzt und standen einfach nur leer. Ideale Bedingungen für eine aufkommende Jugendkultur. Es war leicht hier zu schalten und walten wie es beliebte.

Man kann es gut und gerne „Zwischennutzung“ nennen. Bevor ein leerstehendes Gebäude abgerissen, oder für andere Zwecke genutzt wurde, fanden geschäftstüchtige Menschen oft sehr kreative Wege diese Gebäude im Sinne des Techno zu nutzen.

Die Afterhour spielte ebenfalls von der ersten Stunde an eine wichtige Rolle in der Feierszene, welche dann meistens im Club Walfisch ausgelebt wurde. Das Walfisch war ein kuschelig und gemütlich eingerichteter Club. 1993 zog der Planet um und fand im bekannten E-Werk eine neue Heimat. Die Stunden des Walfisch waren gezählt. Afterhours wurden dann im Exit zelebriert, welches sich auf einer Fischerinsel befand. Wie viele Techno-Clubs wurde auch das Exit später abgerissen und machte Platz für einen Neubau.

Erst mitder Schließung des E-Werks trat Veränderung und Bewegung in die Berliner Techno-Szene ein. Sie hinterließ ein riesiges Loch, das erst sehr viel später wieder mit dem Ostgut, dem heutigem Berghain, langsam gefüllt werden konnte. Kleinere Clubs wie das WMF, Suiside, Matrix und das Discount versuchten in der Zwischenzeit neue Verhältnisse im Techno zu schaffen.

Wie hat sich die Techno Szene in Berlin verändert?

Nicht nur die Clubs veränderten sich in Berlin, auch musikalisch gab es Neuerungen. Nach 1996 begegneten wir einer neuen Ebene des Technos. Die Technoszene spaltete sich auf. Die einen wollten es klein, fein und wohlfühlend, während die anderen noch den alten längst vergangenen Zeiten hinterher trauerten. Drum & Bass und Break Beat Sounds schoben sich in die Techno Music Homogenität. „Bum bum“ war nicht mehr genug. Die Feiergemeinschaft wollte nun eine gemütlichere Landschaft schaffen.

Die Entstehung des Minimal

Ende der 1990er sortierte sich die Technoszene dann wieder völlig neu mit den Clubs Casio und dem Ostgut (Berghain). Die zwei neuen Tempel der Techno Gemeinschaft, die quasi nebeneinander mit der Maria und einem Club namens Deli Besucher lockten. Zusammen bildeten die beiden Clubs in der Friedrichshainer Mühlenstraße die neue Techno-Clubmeile. Während das Casio mehr das jüngere Publikum ansprach und mit unstimmigen Lineups warb, blieb das Ostgut anfangs leer.

Das Ostgut feilte weiter unaufhörlich an seinem geplanten Konzept. Erst mit der Fertigstellung der Panoramabar stieg das Ostgut dann zum neuen E-Werk auf. Während dem Techno-Fan im unterem Bereich des Clubs harte Bässe und Klänge um die Ohren flogen, zelebrierte man im oberen Teil, in der Panoramabar eine Mischung aus House und dem bereits aufkeimenden und lange Ton angebendem Minimal Techno, was einen krassen Unterscheid zu den 90er Techno darstellte. Minimal Techno war geboren und sollte sich sehr viel breiter machen als alle anderen Techno-Abwandlungen.

Musik und Feierverhalten veränderten sich in Berlin. Das Publikum wurde internationaler und immer mehr Fans des Genres erfuhren vom Berliner Techno Hype. Jeder wollte Teil des Zaubers sein oder ihn zumindest gesehen und erlebt haben. Viele Techno-Labels siedelten sich in Berlin an, denn noch waren die Mieten vergleichsweise bezahlbar.

Auch die Infrastruktur stimmte, man konnte mit dem Rad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln in den Club fahren. Es gab ein riesiges Angebot an Clubs und DJs, die für kleine Gagen auflegten. Dadurch blieben die Eintrittspreise günstig. Der Berliner Techno-Fan war plötzlich nicht mehr unter sich, was dazu führte, dass sich neben dem Watergate, der Maria, dem Tresor und dem Berghain eine zweite Clubkultur entwickelte. Eine Kultur im Underground – jenseits der Techno-Touristen.

Das beste Beispiel hierfür zeigte uns die beliebte Bar 25, deren Name nur Eingeweihten Techno-Fans bekannt war und bis heute der Meilenstein für etwas ganz Besonderes und einzigartiges ist. Leute aus der Szene bauten sich selbst etwas auf und erschufen ihre eigene kleine Welt, gefüllt mit Techno, Kino, Theater, Kunst und Unterhaltung.

Tech House rückt in den Vordergrund

Mit der Bar 25 und dem Hura Techno wurde eine weitere starkes Subgenre geboren. Eine Mischung aus Techno und House, der Tech House. Diese House Musik ist fröhlicher, melodischer und weniger zügig. Hier ist wesentlich mehr Platz für Emotionen und Gefühl. Es darf aber niemals als reiner House oder funky House bezeichnet werden, denn es bleiben technoide Elemente die zeitweise einfach nur langsamer gespielt werden.

Location-Wechsel in Berlin war normal. Konzept Veränderungen gehörten zum Programm. Man musste die Fans ja schließlich bei Laune halten können. So startete das Watergate ursprünglich als Drum&Bass Club. Doch um überleben zu können, musste sich der Techno-Club den Subgenres House und Minimal hergeben, die mehr Besucher und somit Geld brachten.

Spannen wir den Techno-Bogen zur Gegenwart

Aus Kellern und kleinen Szene-Clubs wurden Techno-Kathedralen. Die Afterhour ist immer noch ein wichtiger Bestandteil der Techno Szene. Die Musik hat sich in Subgenres untergliedert und weiterentwickelt. Illegale Clubs haben sich mit der Anerkennung des Wirtschaftsfaktors und den Auflagen fast erledigt. Die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung von Techno ebnete den Weg vom Underground hin zum Mainstream.

Wie ist die Zukunft des Techno zu sehen?

Berlin gilt als internationale Hauptstadt des Techno. Jedes Wochenende reisen Tausende an, um in den Clubs der Stadt zu feiern. Man darf gespannt sein, wie sich Techno in der Zukunft entwickeln wird. Musik ist immer den Geschmäckern der Hörer unterworfen. Es bleibt zu hoffen, dass es immer Menschen gibt, die einen guten Geschmack haben.

Wie können wir uns Techno in Zukunft vorstellen ?

Zu dem Thema Techno und Zukunft haben wir einige Freunde befragt und interessante Antworten bekommen:

Also ich würde sagen, dass Techno in Zukunft vielleicht noch viel mehr als eine Art Lebenseinstellung verstanden wird. Natürlich ist die Musik das prägende Bindeglied, was die Leute zusammenbringt. Aber gerade in Zeiten von Unruhen in der Gesellschaft, einigt man sich in einer Szene mit Techno Kultur einfach auf bestimmte Werte, die hochgehalten werden. Erst dieses Selbstverständnis von Toleranz, dem „aufeinander achtgeben“ und einfach zu versuchen, sich gegenseitig eine schöne Party zu bescheren, gibt einem ja erst die Möglichkeit dazu. Ich glaube das solche Subkulturen und kulturellen Strömungen in Zukunft wahrscheinlich wichtiger sind, denn je.

Sehr sehr schwierig, Massen tauglicher. Viele kleine neue individuelle experimentelle Künstler, die in kleinen Bars umher tingeln und wenig bekannt werden. Club DJs werden wie Rockstars gefeiert und auf jeder Party verehrt. Techno wird sich weiter in die Gesellschaft ergießen, mit dem Unterschied, dass im Gegensatz zu den 90ern nicht mehr die Musik im Vordergrund steht. Ganz normaler Wandel, bis Indie Rock wieder cool wird.

Für die Zukunft von Techno wäre aus meiner Sicht wichtig, dass sich Techno nicht verkauft! Zur damaligen Zeit war es der Zugang einer Bewegung , einer Einstellung ,einer Haltung. Es sollte sein Gesicht bewahren und sich nicht zurecht schneiden lassen. Die Vielfältigkeit und Experimentierfreudigkeit soll erhalten bleiben. Techno sozialisiert Menschen und bringt Menschen zusammen, egal auf welcher Ebene. Ich sehe daher Techno nicht nur als musikalisches Genre, sondern auch als ein Prozess unsere Großstadt Gesellschaft. Techno soll offen und verschlossen zugleich sein ! Ein Labyrinth in dem man sich gerne verläuft. Das möchte ich in Zukunft weiter haben und sehe es als wichtigen Aspekt.

Das ist nicht immer so einfach vorauszusehen. Ich muss sagen, dass Techno / Techhouse in letzter Zeit doch viel weiter ins Spektrum der breiten Masse gerutscht ist. Viele Labels sind inzwischen wieder auf dem Weg sich zu entschnellen. Melodien lastiger zu werden. Komplizierter. Vielleicht aber auch einfacher. Gutes Beispiel sind auch viele Partys zB. hier in Berlin, die versuchen mehr Fokus auf downtempo zu legen. Aber darüber kann man endlos fragen stellen und Antworten suchen. Fakt ist, dass sich was ändern wird!

So wie jetzt auch. Laut, impulsiv, familiär, verbindend, aktiv. Man kann sich fallen lassen, dem Alltag entfliehen. Surreal

Also ich finde man sieht ja jetzt schon das Techno nicht mehr gleich Techno ist. Früher war es glaube ich mehr simplere Tracks die einfach schnell sein mussten. Heute gibt es in meinen Augen so viele unterschiedliche „Techno“ Genres. Es vermischt sich immer mehr mit anderen Musikrichtungen. Ich mag ja z.b den deepen Techno mit melodischen Parts. Die gab es früher glaube ich nicht so viel. Und für die Zukunft wünsche ich mir , dass sich Techno immer weiter entwickelt und mit der Zeit mitgeht. Es gibt immer mehr Möglichkeiten Musik zu machen. Viele Acts gibt es ja schon , die Live unglaublich gute Musik auf die Bühne bringen dank Ableton usw.

Techno in der Zukunft wird unglaublich wandelbar sein denke ich. Schon aktuell ist es ja so, dass viele Künstler sich ständig neu erfinden, sei es in ihren Produktionen oder Sets. Dadurch ergeben sich in der Zukunft hoffentlich noch mehr Möglichkeiten sich musikalisch auszuleben, es ergibt sich einfach auch ständig neuer Input. Techno in der Zukunft wird eine noch größere Reichweite bekommen und auch die wirkliche Szene wächst auch immer mehr, dabei wird es ziemlich interessant in welche Richtungen man langsam immer mehr geht. Ich glaube das Techno fast unberechenbar ist, weil einfach so viel möglich ist.

Ich sehe Techno als einen Begriff für den wirklichen musikalischen Kulturkreis von Musikliebhabern dieses Genres fern ab von Kommerzialisierung und dem Hype ein Dj oder dessen Bekannter zu sein. Es sind Menschen die diese Musik aus ihrem Empfinden für Harmonie oder Disharmonie schaffen. Schon jetzt gilt Techno für mich als eine bedeutende Musikepoche die zusammen schmilzt mir allen Formen der Künste und Gesellschaft. Für die Weltgeschichte sehr wichtig und in Zukunft immer bedeutender. Viele Musiker dieses Genres vertreten menschliche Meinungen und schrecken nicht davor zurück auch einmal Missstände der Gesellschaft offen zu legen und zu „teilen“. Dies wird von vielen ihren Followern gehört und gelesen. So wird diese Musik hoffentlich in Zukunft mit als leitendes Sprachrohr für eine bessere Gesellschaft dienen. Den Techno und dessen wirkliche Kultur bedeutet mitunter ja auch das fremde Menschen sich an einem Ort treffen und gemeinsam schöne Momente erleben. Fern von allen Vorurteilen, Zwängen, Sexismus und meistens sogar ohne Konversation. Das ist für mich die schönste aller Erfahrungen beim spielen und beim tanzen. Allen Menschen eine schöne Zeit geben!

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Author: Jeremiah Abshire

Last Updated: 02/18/2023

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Name: Jeremiah Abshire

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Job: Lead Healthcare Manager

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